Rion

16. Juli 2006. Wir schauen uns einen Jährlingshengst an, dem es sehr schlecht geht. Tags zuvor hat der Tierarzt die Diagnose Ataxie gestellt. Man vermutet eine Sturz beim Spielen auf der Hengstwiese.Das Tier befindet sich nun in einem Laufstall und ist nicht in der Lage seine Bewegungen zu koordinieren. Der Hengst stolpert durch den Stall. Hierbei hat er sich schon zahlreiche Verletzungen zugezogen. Das Tier wirkt matt und sehr erschöpft. Zwischen den Nüstern fällt uns eine “sonnenbrandähnliche” Hautveränderung auf. Außerdem hat der Hengst Unmengen an Insektenstichen.  Es sieht aus als hätte dieses Tier seinen Lebenswillen fast verloren. Die Besitzerin sieht keine Chance mehr für den kleinen Hengst und möchte ihn deshalb am folgenden Tag erlösen.

Wir telefonieren mit der Besitzerin und kaufen ihr den kleinen Hengst zum Schlachtpreis ab. Wir sind sehr froh darüber, daß wir somit eine Chance für unseren Patienten bekommen.

Sofort fahren wir nach Hause und richten eine Box her. Dann fahren wir und holen den kleinen Hengst ab. Das Verladen gestaltet sich äußerst schwierig. Das Tier ist in einem so kritischen Zustand, daß es fast von Ralf und Helfern zum Hänger „getragen“ werden muß. Zuhause angekommen noch einmal fast die gleiche Prozedur beim Abladen. Doch dann ist es endlich geschafft und das Pferd steht in der Box. Sofort wird Blut abgenommen und ins Labor geschickt.

In der folgenden Tagen und Nächten schaue ich fast stündlich nach unserem Hengst. Zu groß ist die Gefahr, daß das Tier stürzt und sich evtl. festlegt. Fressen will der Kleine auch nicht. Um ihn auf den Geschmack zu bringen püriere ich ihm Möhren und Äpfel in der Küchenmaschine, mische diesen Brei mit Kraftfutter und „füttere“ ihn damit. Natürlich bekommt er auch eine Extraportion Streicheleinheiten. Am nächsten Morgen fangen wir an, den Hengstjährling mit Magnetfeldtherapie, Akupunktur und Homöopathikern zu behandeln. Uns fällt außerdem auf, daß das Pferd unter Sehstörungen zu leiden scheint. Schon am Dienstag hat sich der Gesundheitszustand ein wenig gebessert. Die Lebensgeister sind geweckt! Wenn ich zum Stall gehe „brummelt“ mir der Hengst freudig entgegen. Mittwoch erhalten wir die Blutergebnisse. So schlecht sieht es gar nicht aus....... Aufgrund der vielen Verletzungen und der starken maukeähnlichen Veränderungen im Fesselbereich halten wir und unser Tierarzt es für ratsam, den Hengst zusätzlich mit Antibiotika und Cortison zu versorgen.Diese Behandlung beginnen wir am Freitag, da uns der Hengst vom Allgemeinzustand nun stabil genug erscheint.

Am Samstag starten wir einen ersten „Gehversuch“. Wir holen den Hengst das erste Mal aus seiner Box und gehen einige Schritte mit ihm. Es fällt dem Tier sehr schwer. Die Hinterhand schwankt bei  jedem Schritt. Es fällt dem Hengst sehr schwer sein Gleichgewicht zu halten. In einer Wendung sind wir einen Augenblick unaufmerksam und der Hengst stürzt.. Wir wiederholen diese kleinen „Spaziergänge“ nun täglich. Nach einer Woche können wir bereits 5 Minuten mit ihm gehen. Weiterhin bekommt Rion täglich Magnetfeldtherapie, Akupunktur, Homöopathiker. Außerdem füttern wir ihm Muscle Protect I (siehe Rubrik Pferdefutter).

Nach einer weiteren Woche mit „Spaziergängen“ wagen wir den ersten „Freigang“. Auch dieser gelingt. Der Hengst kommt nun täglich für eine halbe Stunde auf einen Paddock. Nach ca. Einer Woche beginnen wir die Zeit auf dem Paddock langsam zu steigern.

In der dritten Woche ein weiterer Erfolg. Der Hengst legt sich zum ersten Mal im Paddock hin um sich zu wälzen. Wir sind stark beeindruckt, wie gut es ihm danach gelingt wieder aufzustehen. Mit Freudentränen in den Augen beschließen wir, daß der Hengst nun einen Namen bekommen soll. Wir taufen ihn auf den Namen „Rion“. Rion bedeutet soviel wie „Kleiner König“. Wir finden er hat sich diesen Namen redlich verdient.

Nun geht es eigentlich täglich etwas besser. Rion ist nun seit acht Wochen bei uns. Mittlerweile  ist Rion fast den ganzen Tag in seinem Auslauf. Rion trabt auch schon wieder und hat auch schon seine ersten Galoppversuche hinter sich. Seine „Choreographienote“ hat zwar noch nicht die volle Punktzahl erreicht, aber wir sind sehr zuversichtlich. Wir haben heute den 10. September 2006 – also noch sehr viel Zeit.......

Oktober 2006: durch Zufall werden wir auf die giftige Pflanze “Jakobskreuzkraut” (in unserem Garten) aufmerksam. Nach zahlreichen Recherchen erkennen wir den Zusammenhang mit Rion’s Erkrankung. Die Ergebnisse der bisher gemachten Blutuntersuchungen bekräftigen unseren Verdacht.

Folgende Aussagen werden zu Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea - Familie der Korbblütengewächse) gemacht:

www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0038_vet.htm:.....Pferd:Konditionsverlust, Gewichtsverlust, häufiges Gähnen, Photosensibilität, Unruhe, Taumeln, Ataxie, Zehenschleifen, Blindheit.....

Gleiche Symptome werden auch unter zahlreichen anderen Internetseiten beschrieben. Außerdem wird berichtet, daß es keine Heilungschancen gibt. Die Pflanze wird vor allen Dingen im Rosettenstatium von Jungtieren gefressen, da sie süßlich schmeckt. Die Pflanze verliert ihre Giftigkeit auch nicht wenn sie zu Heu oder Silage verarbeitet wurde. Außer dem Jakobskreuzkraut gibt es noch andere Kreuzkrautarten, die alle ebenfalls mehr oder weniger giftig sind (Alpenkreuzkraut, gemeines Kreuzkraut, Wasserkreuzkraut, Raukenblättriges Kreuzkraut..

Giftigkeit: Alle Pflanzenteile sind wegen der enthaltenen Alkaloide wie Jacobin, Senecionin oder Retrorsin sehr giftig.

Vorkommen: auf Wiesen und Wegrändern, besonders an sonnigen und trockenen Standorten.

Die Pflanze breitet sich aufgrund extensiver und ökologischer Weidebewirtschaftung schnell aus. Eine chemische Bekämpfung ist nur begrenzt möglich.

Das Institut für Veterinärpharmakologie und -toxologie in Zürich hat in einem Versuch ein Pferd über 64 Tage mit insgesamt nur 100 g Jakobskreuzkraut vergiftet. Neun Tage nach Versuchsende starb das Tier!

Neues von Rion:

März 2007: Rion hat sich mittlerweile zu einem stattlichen, zweijährigem Hengst entwickelt und es geht ihm weiterhin von Tag zu Tag besser. Unsere Freundin Birgit Janßen, Tierärztin in der Lüneburger Heide, stellte den Kontakt zu dem Heilpraktiker und Shiatsu-Anwender Warnfred Süß-De Smet her. Warnfred unterstützt uns nun seit November 2006 bei der Behandlung von Rion. Ca. alle sechs Wochen scheut Warnfred keine Mühen (Warnfred kommt aus Lauenburg bei Hamburg) um Rion zu behandeln. Nach jeder Behandlung können wir eine Besserung im Bewegungsablauf feststellen. Mittlerweile kann Rion auch mit einem Pony Weide und Paddock teilen. Rion bekommt außerdem täglich Magnetfeldtherapie welche wir durch Akupunktur und Homöopathie unterstützen.

Rion’s Blutwerte haben sich im Laufe der Zeit stetig gebessert und liegen alle - auch die Leberwerte - im Optimalbereich! Somit schauen wir weiterhin optimistisch in die Zukunft....

Dezember 2007: Rion hat weiterhin Fortschritte gemacht. Im Laufe des Sommers haben wir Rion in unsere Pferdeherde integriert. Diese Herde bestand den Sommer über aus ca. 10 bis 12 Pferden im Alter zwischen 6 und 12 Jahren, vom Pony bis zum großen (1,86 m) Warmblüter. Die Herde hat es Rion am Anfang nicht leicht gemacht. Sie sahen in “Rion” erst einmal einen “Schwächling”, der es auch noch wagte einen Platz in der Herde zu beanspruchen. Besonders die rangniedrigen Herdenmitglieder behandelten Rion nicht gerade sanftmütig. Auch bei dem Herdenchef, “Tequilla” unserem Friesenmix konnte unser kleiner, vorwitziger Hengst zunächst keine Pluspunkte sammeln. Immer wieder wurde er von der Herde vertrieben, gejagt und verbissen. Aber Rion gab nicht auf. Immer wieder wagte er sich in die Nähe der Herde.Die Pferde akzeptierten immer mehr Nähe. Irgendwann war der Bann gebrochen. Tequilla ließ sich von dem kleinen Hengst die Mähne kraulen. Fortan war Rion akzeptiert. Mit der Zeit konnte man feststellen, daß unser Chef  “Tequilla” eine schützende Hand über “Rionchen” hielt. Er paßte regelrecht auf seinen “Ziehsohn” auf. Keiner durfe ihm mehr zu nahe kommen oder ihn gar verjagen. Dies ist bis heute so geblieben. Rion und Tequilla sind unzertrennlich geworden. Oftmals darf “Rionchen” bei seinen ausgelassenen Hengstspielchen über die Strenge schlagen ohne mit ernsthaften “Erziehungsmaßnahmen” rechnen zu müssen. Ansonsten hat sich Rion weiterhin zu einem wunderbaren Pferd entwickelt. Er hat einen sehr guten Charakter und dankt uns jeden Tag mit seinem Vertrauen welches er uns entgegen bringt.

2010: Im Mai haben wir Rion legen lassen. Rion hat sich zu einem guten Reitpferd entwickelt. Im Juni startete Rion auf seinem ersten Turnier (Nordenham/Blexen). In einer    E-Dressur der Leistungsklasse 6 erhielt er die Wertnote 6,9 als abteilungsbestes Pferd und belegte den 9. Platz von 35 Pferden. Rion ist immer noch etwas ganz besonderes für uns. Es verbindet uns ein sehr inniges Verhältnis und wir bereuen keinen Schritt auf unserem gemeinsamen Weg, auch wenn er manchmal recht steinig war......

Weitere Bilder von Rion finden Sie in unserer Fotogalerie....

 

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"RION" kommt zu uns: 16 Juli 2006

"RION" kommt zu uns: 16 Juli 2006

"RION" bekommt eine Akupunktur.

"RION" bekommt eine Akupunkturbeh.

Rion Mitte September 2006

Rion Mitte September 2006

Rion hat wieder Power.

Rion hat wieder Power.

"RION" bei seiner täglichen Gymnastik

"RION" bei seiner täglichen Gymnastik

Ballspiel oder Krankengymnastik?

Ballspiel
oder Gymnastik?

Egal, hauptsache Pferd hat seinen Spaß.......

Egal, hauptsache Pferd hat seinen Spaß....

1..2..3.. wer hat den Ball

1..2..3.. wer hat den Ball

Haa, erwischt

Haa, erwischt

3...2...1... meins!!!

3...2...1... meins!!!

Trabübungen

Trabübungen

...fast perfekt.

...fast perfekt.

Jakobskreuzkraut in voller Blüte
Kreutzkrautpflanze
gepfluecktes Kreutzkraut
Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea
Enno u. Tequilla 056
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